Eine Publikation der Binkert Medien AG
Logistiklösungen
Proaktives Management von Logistiknetzwerken auf der Basis innovativer Informationsverdichtung und -visualisierung: 09.05.2014

Visual Logistics Management (VILOMA)

Die Daten- und Informationsflut in logistischen Netzwerken wird aufgrund von Instrumenten der Echtzeiterfassung (zum Beispiel Auto-ID-Technologien) in der Zukunft weiter steigen. Durch eine intelligente Informationsverdichtung und -visualisierung liegen insbesondere in der unternehmensübergreifenden Verwendung erhebliche Nutzenpotenziale für die Praxis.

Dipl.-Logist. Stephan Hülsmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Dipl.-Logist. Michael Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Stefan Drost, studentische Hilfskraft,
André Terharen, studentische Hilfskraft.

Eine massgebliche Herausforderung für Logistikmanager ist es, ortsungebunden die richtigen Entscheidungen in begrenzter Zeit auf der Basis vorhandener Daten zu treffen. Aufgrund steigender Datenfülle bei gleichzeitig fehlenden Methoden zur netzwerkweiten Optimierung sowie nicht ausreichenden Ansätzen zur Filterung und zielgruppenspezifischen Darstellung gestaltet sich dies zunehmend schwieriger. Die Entwicklung von Instrumenten zur Befähigung von Logistikmanagern, auf relevanten Daten basierend eine schnelle und zufriedenstellende Entscheidung zu treffen, gewinnt daher immer mehr an Bedeutung.

Informationsflut beherrschen – Komplexität handhaben
An dieser Stelle setzt das vom BMWi geförderte Projekt Visual Logistics Management (VILOMA) an, das die Automobilindustrie als repräsentative Branche mit Signalwirkung sieht. Das Ziel des unter der Federführung der Volkswagen AG durchgeführten Vorhabens ist es, neben der Analyse von Methoden zur Informationsverdichtung bestehende Ansätze zur Informationsvisualisierung im Hinblick auf ihre Übertragbarkeit auf die Logistik zu untersuchen. Die Verknüpfung von Inter- und Intralogistik erhält hierbei einen besonders hohen Stellenwert.

Die logistische Wetterkarte – ein Beispiel intuitiver Informationsdarstellung
Ein vielversprechender Übertragungsansatz ist in diesem Zusammenhang in der Wetterkarte der Meteorologie zu sehen, in welcher Symbole, Satellitenbilder, Wetterfronten und Isobaren genutzt werden, um aktuelle Messwerte und prognostizierte Entwicklungen darzustellen. Eine Übertragbarkeit der Wetterkarte auf Supply Chains ist zum Beispiel zur intuitiven Visualisierung von Lagerbeständen, Reichweiten oder auch Engpässen an Standorten eines Produktionsverbundes denkbar.
Durch die Verbindung neuer logistischer Visualisierungsansätze mit der Digitalen Fabrik und der Einbeziehung von Zulieferern besteht die Möglichkeit, den in der Produktion der einzelnen Original Equipment Manufacturer (OEM) bereits etablierten Ansatz der ganzheitlichen Digitalen Fabrik auf den Bereich der Logistik entlang der gesamten Supply Chain zu übertragen.
Die ganzheitliche Betrachtung des Wertschöpfungsnetzwerks mit einer intuitiven Benutzeroberfläche soll dem Logistikmanager zukünftig einen «Drill Through» über verschiedene Detailebenen ermöglichen. Durch ein «Hineinzoomen» entsteht auf diese Weise ein interaktiver Einblick in verschiedene Bereiche der Supply Chain. Die Konkretisierung von Informationen erlaubt es, den aktuellen Zustand sowie zukünftige Entwicklungen schnell und intuitiv zu erfassen, um hierauf aufbauend Entscheidungen zu treffen und die Rolle des Menschen als kreative und entscheidende Instanz nachhaltig zu stärken.
Die gemeinsame Entwicklung zielgruppenspezifischer Visualisierungsmöglichkeiten liefert insgesamt einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zum visuellen Logistikmanagement. Je nach Fragestellung wird dazu auch auf in der Praxis bewährte Visualisierungsformen, wie zum Beispiel Wertstromdarstellungen, zurückgegriffen.

Informationsplattform und echtzeitnaher Datenaustausch
Basierend auf einem durchgängigen Informationsmodell, soll eine möglichst realitätsgetreue Abbildung des Zustandes der Supply Chain erfolgen. Hier fliessen insbesondere Erkenntnisse und Technologien der vorangegangenen Forschungsprojekte RAN – RFID-based Automotive Network und ADiWa – Allianz Digitaler Warenfluss ein. Auf dieser technologischen Basis aufbauend, werden Bausteine zur Prognose und Simulation zukünftiger Systemzustände sowie zu ihrer Visualisierung entwickelt.
Das Vorhaben VILOMA strebt die Entwicklung breit einsetzbarer Methoden und Lösungen an, die in häufig anzutreffenden Fragestellungen eines logistischen Systems nutzbringend und praxisgerecht anwendbar sind. Für eine breite Basis der Forschungsarbeiten wurden mit den Konsortialpartnern die nachfolgenden, praxisrelevanten Anwendungsfälle zur Untersuchung identifiziert.

Transparenz im Behälterkreislauf
Zum qualitätsgerechten Versand von Halbfertigwaren werden zwischen Zulieferer und OEM häufig spezielle hochwertige Behälter eingesetzt, die in einem Kreislaufsystem
organisiert werden. In diesem Kreislaufsystem kommt es in der Praxis aufgrund von Störungen beziehungsweise stark schwankenden Behälterumlaufzeiten zu verschiedenen Fragestellungen (zum Beispiel «Wie viele Behälter und welche Art von Behältern befinden sich an welchem Ort?»). Die Probleme liegen in der fehlenden Transparenz der Supply Chain sowie insbesondere deren Knoten (zum Beispiel Lager/Pufferbestände) und einer nicht erfassten, «zweckentfremdeten» Verwendung der Behälter.
Das Ziel der Arbeiten zum Behältermanagement ist es, die Behälterumlaufplanung und die Behälteraufbereitungsplanung zu optimieren und Transparenz entlang der Supply Chain zu schaffen. Hierdurch soll erreicht werden, dass die Liefertermintreue eingehalten werden kann. Die Vorhersage der Verfügbarkeit sowie die Minimierung der Verwendung von Einwegverpackungen sind weitere zu verfolgende Ziele. Die damit einhergehende Abstimmungsverbesserung unter den Partnern durch ein kollaboratives, visuelles Logistikmanagement ist dabei der Schlüssel zur Zielerreichung.

Handling von Ausnahmesituationen
Engpässe haben weitreichende Auswirkungen auf die operative Handlungsfähigkeit und die Produktivität eines Unternehmens. Neben technischen Störungen sind vor allem organisatorische Störungen oftmals ein Grund für eine unzureichende Verfügbarkeit von Anlagen und logistischen Systemen. Aus diesem Grund und durch immer weiter sinkende Bestände ist das frühzeitige Erkennen und Vermeiden von Engpässen in der Materialversorgung zwischen den Unternehmen des VILOMA-Netzwerkes essenziell. Das Ziel des Engpassmanagements ist eine proaktive Steuerung der Prozesse innerhalb der Supply Chain und Intralogistik anhand gezielter Darstellungen von Kennzahlen und einer intuitiven Visualisierung. Diese geben eine schnelle und für die operative Steuerung leicht erkennbare Entscheidungshilfe. Ein Einsatz auf mobilen Endgeräten kann hier die Reaktionszeit eines Planers mittels aktiver Warnhinweise weiter verkürzen. Mittels der Vorausschau können Wirkungen von Störungen eingeschätzt und Massnahmen für das Handling von Ausnahmesituationen bewertet werden.

Lieferzeitsynchronisation – Information statt Bestände
Die Synchronisation zwischen einer Lieferung und der Produktion stellt höchste Anforderungen an die Transparenz in einem logistischen System, das aus Knoten und Kanten besteht. Bei der Liefersynchronisation werden bildhaft Bestände durch Informationen ersetzt. Es besteht nur ein kleiner Puffer zur Entkopplung der einzelnen Anlieferereignisse. Heute findet eine synchrone Belieferung hauptsächlich aus lokal an der Produktion angesiedelten Lieferantenparks statt. Die Trends gehen dahin, diesen Radius immer weiter auszudehnen. Die wesentliche Fragestellung ist, ob geliefertes beziehungsweise im Zulauf befindliches Material den kommenden Bedarf verlässlich abdeckt.
Das Ziel des visuellen Logistikmanagements in der Liefersynchronisation ist die sofortige Weitergabe von Bedarfs- und Verfügbarkeitsinformationen an die betroffenen Partner. Hierbei ist insbesondere hinsichtlich der Verfügbarkeit die jeweilige intralogistische Information für die Umsetzung eines Drill Through erforderlich. Die Nutzer des VILOMA können so intuitiv und schnell erkennen, ob Bestände und Zuläufe den aktuellen Bedarf decken.

Erfahrungsaustausch erwünscht
Das Projekt VILOMA startete im Juli 2013 und befindet sich aktuell im Übergang von der Anforderungserhebung zur Methodenentwicklung. Zu einem Erfahrungsaustausch einzelner Themen sind interessierte Unternehmen herzlich eingeladen.


Dipl.-Logist. Stephan Hülsmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Intralogistik und -IT Planung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML.


Stefan Drost arbeitet als studentische Hilfskraft am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in der Abteilung Intralogistik und -IT Planung.


Dipl.-Logist. Michael Schmidt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Intralogistik und -IT Planung des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML.


André Terharen arbeitet als studentische Hilfskraft am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in der Abteilung Intralogistik und -IT Planung.


Visualisierung «Logis­tische Wetterkarte» © Fraunhofer IML.


Übersicht über das VILOMA-Konsortium

Kontakt

Software Engineering
Joseph-von-Fraunhofer-Strasse 2-4
44227 Dortmund
Deutschland (DE)
Tel: 0049 231 97 43 214
info@logistics-mall.de
www.iml.fraunhofer.de

Weitere Informationen zur Firma «Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik»